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Abends und nachts nur noch mit Weste in den Sattel, das fordert zumindest die Berliner Polizeigewerkschaft.
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Neue Forderung aus Berlin:

Fahrradexperten warnen vor der "Wahnweste"

Im Buch der absurden Forderungen für Radfahrer hat jüngst die Deutsche Polizeigewerkschaft ein neues Kapitel aufgeschlagen. Deren Vorsitzender des Landesverbands Berlin, Bodo Pfalzgraf, forderte in einer Pressemitteilung vom 14.1.2015 , dass Radfahrer künftig nachts und in der Dämmmerung zum Tragen einer Warnweste verpflichtet werden. Damit will der Polizei-Gewerkschafter den Radfahrern beikommen, die in Berlin "ohne Licht durch die Stadt rasen". "Fahrrad und Sicherheit: jeder hat eine Meinung, wenige haben Ahnung", sagt dazu Gunnar Fehlau, Frontmann vom Pressedienst Fahrrad.

Zu den typischen Aufgaben des Pressedienst Fahrrad zählt vor allem, in der deutschsprachigen Presselandschaft eine positive Stimmung zum Radfahren zu verbreiten. Wenn jedoch mal wieder abstruse Forderungen zur Regulierung des Radverkehrs gestellt werden, können die Pressearbeiter um Gunnar Fehlau auch andere Töne anschlagen: „Wenn Politiker, Polizisten und Journalisten über Warnwesten für Radfahrer schreiben und Seitenlaufdynamos als Referenz nehmen, von ihren Erfahrungen mit Halogen-Beleuchtung berichten und Radlern rhythmisch blinkende Rücklichter empfehlen, dann läuft etwas kräftig falsch. Wer einmal mit einer modernen 70-Lux-LED-Lichtanlage mit Standlicht, Senso-Schaltung, Aufblendfunktion, Bremslicht und Tagfahrlicht unterwegs war, der fühlt sich unter allen Lichtverhältnissen als gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer. Warnwesten tragen Bauarbeiter und pannengebremste Autofahrer. In beiden Fällen ist etwas kaputt: die Straße oder der Wagen. Wenn Radler fortan Warnwesten tragen müssen, dann ist auch etwas kaputt: nämlich die Verhältnismäßigkeit! Schützt die Opfer, statt sie orange zu uniformieren und damit zu stigmatisieren“, sagt Pressedienst-Gründer Gunnar Fehlau.

Sei Kollege David Koßmann ergänzt: „Die Forderung nach der Warnweste erinnert mich stark an die Rufe nach einer Radhelmpflicht. Unterm Strich machen beide Maßnahmen das Radfahren unattraktiver. Radfahren ist clever und wird in den Städten immer wichtiger. Je mehr Menschen aufs Rad steigen, desto sicherer wird es auch – in diese Richtung müssen wir gehen. Die Weste dagegen wäre eine Kehrtwende. Hinzu kommt, dass sich mittlerweile ein gewisses Stilbewusstsein beim Radfahren etabliert hat. Funktionsbekleidung ist heute salonfähig – weil man ihr die Funktion nicht mehr ansieht. Eine Warnwestenpflicht jedoch nähme dem Stadtradler das Recht auf den eigenen Stil. Warnwesten sind wie Hupen: Man nutzt sie bei besonderer Gefährdung!“

22. Januar 2015 von Markus Fritsch

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