Veröffentlichung von Changing Cities, VSF und BVZF
Der Schatz muss noch gehoben werden
Während der Corona-Pandemie, so die Veröffentlichung, gab es viel Freude über das Wachstum im Fahrradsegment. Ein Umsatzplus von 17%, stellenweise 20-30% mehr Radfahrende und viel mehr Tagesausflüge zeichneten ein positives Bild. Dieser Erfolg verblasse allerdings, wenn man sie mit den Steigerungen im Autoverkehr vergleicht. Die mit Daten von Infas und dem Wissenschaftszentrum Berlin belegte Analyse zeigt auf, dass das Wachstum im Radverkehr vor allem aus dem ÖPNV und nicht vom Auto kommen, wie es in den vorhergehenden Jahren der Fall gewesen sei.
Politisch gesehen bleibt es also spannend, in welche Stoßrichtung es in Zukunft gehen wird. „Bleibt das veränderte Mobilitätsverhalten nach der Pandemie so, wie es aktuell ist, wird sich das vorhandene Verkehrsproblem nochmals drastisch verschärfen, Ballungsgebiete werden im Stau untergehen“, erklärt Wasilis von Rauch vom Bundesverband Zukunft Fahrrad.
Forderung: Förderung
Thematisch beschäftigt sich der Bericht neben den Vorteilen, die Radfahren für die Gesundheit und den Finanzhaushalt hat, mit der Wirtschaftsbranche rund ums Fahrrad und den Auswirkungen infrastruktureller Veränderung. Bei letzterem Punkt zeigt sich die Wirksamkeit politischen Willens. Pop-Up-Radwege, wie sie während der Pandemie an einigen Orten entstanden sind, sorgen für einen noch stärkeren Zuwachs. In Berlin gab es nach Errichtung der Pop-Up-Spuren einen Zuwachs von 26%. In Köln, wo auf die Zusatzwege verzichtet wurde, steigerte sich der Radverkehr nur um 8%. Das Resümee des „Schulterblick“-Papiers : „Das zeigt, die Bereitschaft zum Radfahren ist da, bereits einfache und schnelle Maßnahmen sorgen für deutliche Zuwächse“, sagt Ragnhild Sørensen von Changing Cities e.V. „Dass nicht mehr Städte und Gemeinden während der Pandemie das Radfahren direkt gefördert haben, ist eine vertane Chance. Temporäre Radwege müssen jetzt kurzfristig und ohne langwierige Verwaltungsprozesse umgesetzt werden.“
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